41. Kapitel

Der Sohn spricht zur Braut über einen König in Schweden und sagt: „Ich sagte dir, dass dieser König ein Kind ist. Das kannst du an zwei Dingen erkennen. Erstens an seiner Regierung, zweitens an seiner unzähligen Armee. Hat nicht der Hirt David den Riesen (Goliath) besiegt? Aber wie? Vielleicht mit Macht und Weisheit? Gewiss nicht, sondern mit Gottes Kraft, denn wenn Gott die Verwegenheit des Riesen nicht zunichte gemacht und dem Knaben David Mut eingeflößt hätte – wie hätte da der Knabe gegen den gewaltigen Kämpen angehen können?

Und wie hätte der Stein einen so Starken niederschlagen und einen so erprobten Mann treffen können, wenn nicht Gottes Kraft im Stein gewesen wäre? Also siegt der mit Leichtigkeit, der Gott zum Mithelfer hat. Wer vollkommene Zuversicht auf Gott hat, der braucht nicht viel körperliche Stärke, nur Glauben und Liebe. Aber weltliche Menschen meinen, durch körperliche Kraft zu siegen, und dass der Ausgang des Streites auf menschlichem Bemühen ruht.
Und wenn sie dann als Sieger dastehen, so schreiben sie das eher der menschlichen Tüchtigkeit als der Kraft Gottes zu, obwohl weder Gute noch Böse ohne Gottes Zulassung und Gerechtigkeit Sieger werden. Denn manchmal gewinnen gute Menschen die Oberhand über Böse, und manchmal gewinnen stattdessen durch Gottes Zulassung die Bösen Oberhand über die Guten.

Und weil nur wenige Menschen Gottes Geduld und Gerechtigkeit auf Grund der allgemeinen Vergesslichkeit und Nachlässigkeit betrachten wollen, deshalb wird Gottes Kraft verunehrt, und der Mensch gepriesen und erhöht, als wäre er mächtig und würde durch seine eigene Kraft Siege gewinnen.
Ich habe nicht ohne Grund gesagt, dass dieser König ein Kind ist. Denn wenn ein Kind zwei Äpfel sieht, von denen der eine außen ganz vergoldet ist, aber innen ganz leer und angefault, aber der andere außen weniger schön und innen völlig frisch ist, so zieht das Kind den Apfel vor, der schön aussieht, aber innen verfault ist, denn es kann nur das beurteilen, dessen Äußeres es sehen kann.

So handelt dieser König. Es kommt ihm schön vor, mit einer großen Heerschar auszuziehen, aber er wusste und überlegte nicht, welches Elend innen verborgen war. Er beachtete nicht, welche Hungersnot und Trauer folgen würden, und dass die Soldaten elend vor Hunger ausziehen und noch elender zurückkehren würden. Es sieht dürftig und töricht aus, mit einem kleinen Heer auszuziehen, aber ein großer Nutzen liegt darin verborgen.

Wenn er sich in dieser Weise auf den Weg macht, nämlich mit Demut und mit einer geringen Heerschar; werde ich seine Gedanken mit göttlicher Einsicht erfüllen und seinem Körper göttliche Kraft schenken. Ich kann nämlich aus dem Schwachen einen Starken machen, aus dem Demütigen einen Hohen, aus dem Verachteten einen Geehrten. Sage ihm deshalb, dass er keine Angst hat, sondern seine Hoffnung auf mich setzt und dann mit göttlicher Einsicht und menschlicher Voraussicht tut, was er kann. So werden ihn die Liebe und der gute Wille rechtfertigen, wenn die menschliche Klugheit zu Ende ist.“

Zusatz
Gottes Sohn spricht: „Ein jeder, der die Länder der Ungläubigen besuchen möchte, soll fünf Dinge tun: Erstens sein Gewissen durch Reue und aufrichtige Beichte erleichtern, genau so, als ob er gleich sterben würde. Zweitens soll er alle Weichlichkeit in Sitten und Kleidern ablegen, nicht auf die neumodischen Sitten achten, sondern auf die alten lobenswerten Sitten, die von seinem Vorgänger eingeführt wurden.

Drittens soll er nicht gewillt sein, etwas Zeitliches zu besitzen, außer zum notwendigen Lebensunterhalt und zu Gottes Ehre, und wenn er weiß, dass er oder seine Eltern etwas zu unrecht erworben haben, so soll er bereit sein, das zurück zu erstatten, sei es nun klein oder groß. Viertens soll er darauf hinarbeiten, dass die Ungläubigen zum wahren Glauben gelangen, und er soll nicht deren Reichtümer oder Vieh oder etwas anderes begehren, außer allein das Lebensnotwendige.
Fünftens soll er bereit sein, für Gottes Ehre zu sterben und vorher einen so lobenswerten Wandel führen, dass er es verdient, einen kostbaren Tod zu sterben.“